III Beispielsitzung

 

Die nun folgende Beispielsitzung soll die Bedienung der einzelnen LIAN-Programme veranschaulichen. Ziel ist es, auf Kanal 1 ein Telegramm zu senden, auf Kanal 2 die Empfangsdaten unter Verwendung eines Vorfilters aufzuzeichnen und anschliessend die empfangenen Daten auszuwerten. 

 

In diesem Beispiel wird das Protokoll IEC 60870-5-101 verwendet.

 

Einstellung des CDE-Adapters
Verbinden Sie die Kanäle 1 und 2 und stellen Sie beide CDE-Schalter auf PCM

Die Einstellung des CDE Adapters ist nur bei den LIAN-DOS Varianten Large, Siemens oder ABB möglich. Bei der IEC Variante entfällt diese Einstellung. 

 

Parametrierung LIAN

 

1. Einstellen der Dateiausgabe-Parameter

 

Gehen Sie auf den Menüpunkt <Einstellung> und drücken Sie die Eingabetaste. Aktivieren Sie den Menüpunkt <ProtokollFileName>. Es erscheint der voreingestellte Dateiname für die Protokolldatei C:\LIAN\PRO\TEST.PRO . Für unser Beispiel ändern wir den Namen und geben C:\LIAN\PRO\BEISPIEL ein. Die Dateierweiterung PRO braucht nicht eingegeben zu werden, da LIAN sie selbst ergänzt. Drücken Sie [Enter] um die Eingabe zu bestätigen.

Für den Namen der Archivdatei ( ArchivFileName ) gilt das gleiche.

Unter <ComPort/Kanal> stellen wir Kanal 2 ein ( Kanal 1 ist in diesem Fall nicht interessant, da die nachfolgenden Einstellungen die Behandlung der Empfangsdaten betreffen und Kanal 1 in unserem Beispiel der Sendekanal ist ). Wenn die nachfolgenden Parameter Kanalfreigabe, Bildschirmausgabe, Eintrag  ArchivFile oder Eintrag ProFile auf nein  geschaltet sein sollten, stellen Sie sie durch Drücken der Eingabetaste auf ja ( da für unser Beispiel nicht vorgesehen ist mit aussergewöhnlich hohen Baudraten zu senden, ist es nicht erforderlich eine dieser Aufzeichnungsarten auszuschalten ). Drücken Sie jetzt [Esc] um den Menüpunkt wieder zu verlassen.

 

2. Einstellen der kanalspezifischen Parameter

 

Aktivieren Sie den Menüpunkt <Protokoll>. Stellen Sie unter <ComPort> Kanal 1 ein ( in unserem Beispiel der Sendekanal ). Gehen Sie dann auf IEC Standard. Wenn Sie die Wahl bestätigt haben, wählen Sie unter den verfügbaren Telegrammen <IEC TCP 101> Die sich jetzt bietenden Einstellungsmöglichkeiten sind für dieses Beispiel weniger wichtig, sie müssen lediglich mit der Parametrierung des Empfangskanals übereinstimmen. Drücken Sie jetzt [Esc] um die Einstellungen zu übernehmen.

Stellen Sie nun unter <ComPort> Kanal 2 ein, den Empfangskanal. Wiederholen Sie nun die gleiche Prozedur wie für die Parametrierung des ersten Kanals. Kehren Sie jetzt durch zweimaliges Drücken der Eingabetaste zum Hauptmenü zurück.

Es empfiehlt sich, über den Menüpunkt <Optionen | Konfiguration> die Parameter der Kanäle 1 und 2 noch einmal auf ihre Übereinstimmung hin zu überprüfen.

 

Programm FIPP : Definition der Vorfilter und -Trigger

 

Aktivieren Sie nun den Menüpunkt <Run> und starten Sie das Programm  FIPP. Drücken Sie nun den Buchstaben [F], um den Menüpunkt <Filter> zu aktivieren. 

 

Betätigen Sie jetzt die Tabulatortaste so lange, bis der Cursor sich auf dem Feld Filter freigeben für den Kanal 2 befindet und öffnen Sie den Kanal, indem Sie <j> eingeben. Der Cursor bewegt sich dann automatisch auf das darunter liegende Feld Filter. Geben Sie hier ebenfalls <j> ein. Mit der jetzt dargestellten Filtermaske können Sie die Aufzeichnung für den zweiten Kanal nach bestimmten Merkmalen filtern. Geben Sie z.B. unter Funktion '=' ein. Im Feld rechts daneben wird jetzt die Nummer der Funktion erwartet, auf die sich die Aufzeichnung später unter SIMO beschränken soll, z.B. '03'. Drücken Sie [F10] um die Filtermaske wieder zu verlassen, ein weiteres Mal [F10], um wieder zum Hauptmenü zu gelangen und schliesslich [Q], um FIPP zu beenden.

 

 

Programm SIMO : Senden und Empfangen 

Das Senden von Telegrammen oder das Ausführen einer Sequenz erfolgt anschliessend im Programm SIMO. Einzelne Telegramme können einmal, mehrfach oder zyklisch gesendet werden. Sendedaten können, wenn gewünscht,  mit ins Archiv-File eingetragen werden, um einen Zusammenhang zwischen den gesendeten und empfangenen Daten sichtbar zu machen.

 

Aktivieren Sie nun wieder den Menüpunkt <Run> und starten Sie das Programm  SIMO. 

Bevor SIMO gestartet wird, möchte LIAN wissen, ob eine bereits existierenden Aufzeichnungsdateien gelöscht werden sollen. Wenn Sie dies nicht wollen, bestätigen Sie mit <n> und geben Sie einen Dateinamen ein, unter dem die Aufzeichnung fortgesetzt werden soll.

Stellen  Sie nun unter <ComPort> Kanal 1 ein. Dieser Kanal erscheint dann unter <Sendtelgramm> als Eingabeprompt. Aktivieren Sie anschliessend <Format> und stellen Sie unter <ComPort/Kanal> Kanal 2 ein ( die nachfolgenden Einstellungen beziehen sich auf das Ausgabeformat der Empfangsdaten im gezoomten Fenster, sind also nur für unseren Empfangskanal von Bedeutung ). Die einzelnen Optionen können Sie mit der Eingabetaste ein- und ausschalten.

Unter <Sendtelgramm> können wir jetzt zur eigentlichen Aufgabe übergehen, dem Senden. Nachdem Sie den Menüpunkt aktiviert haben, öffnet sich das Befehlsfenster und der sogenannte Eingabe- bzw. Zeilenprompt erscheint, d.h. die Nummer des eingestellten Kanals ( in unserem Fall sollte dies eine 1 sein; wenn nicht, geben Sie einfach '1' ein und drücken [Return] ). Geben Sie jetzt 'zoom2' ein und drücken Sie [Enter] um das Ausgabefeld des zweiten Kanals zu vergrössern, damit die Empfangsdaten in der unter <Format> eingestellten Weise sichtbar werden.

Wählen Sie jetzt einen Sendepuffer aus, indem Sie den Befehl 'sw' ausführen. Wenn Sie wissen, welchen Puffer Sie senden wollen, z.B. Puffer 5, geben Sie einfach 'sw5' ein ( Sie können sich vorher zur Kontrolle mit 'sq5' den Inhalt ansehen ). Andernfalls erhalten Sie mit 'sw' eine Liste mit den 500 Sende­puffern. Haben Sie einmal einen Puffer ausgewählt, zeigt 'sq' den Inhalt dieses Puffers an.

Editieren können Sie den Puffer mit dem Befehl 'sa', der ein Fenster mit protokoll- abhängigen Editiermasken öffnet. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, den Puffer mit einem Kommentar zu versehen, damit Sie bei den 500 Editierpuffern nicht den Überblick verlieren.

Mit 'sz' wird das Telegramm zyklisch gesendet. Sie haben die Möglichkeit, bis zu 28 Telegramme in einem Auftrag zu senden, wenn Sie die entsprechenden Puffernummern eingeben: z. B. sz0,2-5,7,9. Die Puffer 0, 2 bis 5, 7 und 9 werden nun zyklisch gesendet.

Erzeugen Sie während der Übertragung ein paar Fehler ( Adapter lösen oder CDE-Schalter auf PDM stellen ), damit Einträge in die Protokolldatei erfolgen.

Drücken Sie, während sich die Archivdatei langsam füllt, einmal die [Alt]-Taste. Wenn Sie sie etwa eine Sekunde gedrückt halten, erscheint am unteren Bildschirmrand eine Zeile mit Tastenkurzbefehlen, z.B. [Alt]-[F10], um das BackScrollWindow zu öffnen, das Ihnen die Möglichkeit bietet, parallel zur Aufzeichnung die empfangenen Daten aller Kanäle durchzusehen. Die Daten sind kanalunabhängig nach Zeit sortiert.

Die Aufzeichnung läuft ohne Einschränkung im Hintergrund weiter. Mit [Alt]-[F10] wird das Fenster wieder geschlossen. 

Um den Sendeprozess zu beenden, geben Sie 'kill' ein, wobei der aktuelle Kanal mit dem Sendekanal übereinstimmen muss. Drücken Sie [Esc] um die Befehlsebene zu verlassen und kehren Sie mit Quit [Q] zum Programm LIAN zurück..

Sie können während der Übertragung auch andere Befehle ausführen, z.B. Telegramm-Puffer oder Sequenzen editieren. Wie man eine Sendefolge ( Sequenz ) schreibt, wird weiter unten ( Editieren von Sequenz und Telegrammpuffern: TDEP ) ausführlich beschrieben.

 

Programm SHOW : Fehlerliste anzeigen

 

Um die in der Protokolldatei eingetragenen Übertragungsfehler anzusehen, aktivieren Sie jetzt die Anwendung Show. Zuerst öffnet sich noch ein Eingabefenster, in das Sie die gewünschte Protokolldatei eingeben können. Standardmässig steht hier bereits der Name der aktuellen Protokolldatei; bestätigen Sie diese mit [Return].

 

Sie können jetzt mit den Pfeiltasten durch die Datei wandern oder mit der Funktion <Suchen> eine bestimmte Zeit oder einen bestimmten Fehler suchen. Sie können aber auch die Anzeige der gesamten Datei auf bestimmte Merkmale beschränken.

Hinweis Drücken Sie [F1], um die Online-Hilfe zu aktivieren, lesen Sie die Hilfetexte zu Tastaturbelegung und Protokoll Datei.

Angenommen, Sie möchten nur die Kopfzeilen ausgegeben haben, aktivieren Sie den Menüpunkt <Anzeige>,  bewegen den Cursor nach unten auf Kanal 2 ( unserem Empfangskanal ) und geben <j> ein. Die Auswahl ist für diesen Kanal dann aktiviert. Anschliessend deaktivieren Sie alle Optionen bis auf die gewünschte H mit <n>. Nach Betätigung der Eingabetaste wird die Auswahl erstellt.

Mit [Alt]-[X] verlassen Sie SHOW wieder.

 

Programm TRAP : Auswertung

 

Wenn Sie TRAP gestartet haben, erscheint zuerst am unteren rechten Bildschirmrand ein Fenster, das Auskunft darüber gibt, wie viele Datensätze in der geladenen Archivdatei enthalten sind ( TRAP lädt bei Programmstart automatisch die aktuelle Archivdatei, die bei der Parametrierung im LIAN angegeben wurde ). Drücken Sie eine beliebige Taste, um zum Hauptmenü zu gelangen.

 

 

1. Ausgabeformat einstellen

Der Menüpunkt <Format> ist mit dem Menüpunkt <Format>  im Programm SIMO verknüpft, d.h. Sie werden die im SIMO vorgenommenen Einstellungen im TRAP wiederfinden. Im folgenden Bild ist Klartext 1 ( Header und Information ) eingestellt.

 

2. Auswertung

Unter dem Menüpunkt <Run> gibt es mehrere Möglichkeiten die Übersetzung bzw. die Auswertung der Archivdatei auszuführen. Wählen Sie zunächst die Option <Festplatte> und drücken Sie [Return].

Aktivieren Sie jetzt den Menüpunkt <Show> im Hauptmenü. Bestätigen Sie den angezeigten Dateinamen mit [Return]. Sie können sich jetzt die einzelnen Datensätze in der übersetzten Archivdatei ansehen.

Die andere Möglichkeit sich die Archivdatei anzusehen, der Befehl <Run | Bildschirm>, hat den Nachteil, dass die Datei nur von oben nach unten durchgesehen werden kann.

Betätigen Sie [Alt]-[X] oder [q] um TRAP zu verlassen.

 

Programm TDEP : Editieren von Telegrammen und Erstellen von Sequenzen

Das Programm TDEP steht für das Erstellen von Koppelsätzen ( Telegrammen ) zur Verfügung. Damit lassen sich Telegramme und Sendesequenzen bequem editieren, kopieren, sichern, laden oder am Bildschirm oder Drucker ausgeben. Eine Sequenz lässt sich mit einer simplen Pseudosprache beschreiben und kann bis zu 100 Programmzeilen enthalten. Der Programmablauf einer Sequenz beinhaltet Anweisungen, wie z.B. Schleifen mit einem dazugehörigen Schleifenzähler, Subroutine-Aufrufe, Verzögerungspunkte oder Sendeanweisungen für die einzelnen Kanälen.

Gehen Sie jetzt wieder auf den Menüpunkt <Run> und starten Sie die Anwendung TDEP. Aktivieren Sie den Menüpunkt <Funktion | Editieren | Telgramm bzw. Sequenz>.

 

 

Editieren von Telegrammen

 

Wenn Sie <Funktion | Editieren | Telgramm> wählen, erscheint eine Liste mit allen verfügbaren Telegrammpufern. Über die Pfeiltasten wählen Sie den Telegrammpuffer, den Sie editieren möchten. Durch Drücken von [Return] öffnet sich eine telegramm-spezifische Maske, in der Sie die gewünschten Daten eintragen können. 

 

 

Erstellen einer Sendliste

 

Wenn Sie <Funktion | Editieren | Sequenz> wählen,  öffnet sich ein in Zeilen gegliedertes Eingabefenster. Nachfolgend sehen Sie eine exemplarisch aufgebaute Sendefolge, wobei jede Zeile mit einem Kommentar versehen ist :

Zeile Befehl Wert Beschreibung
00 1 0045 send

Hier wird der Sendepuffer 45 auf Kanal 1 gesendet. 

01 2 0004 send

Hier wird der Sendepuffer 4 auf Kanal 2 gesendet. 

02 c 0005 counter

Der Schleifenzähler wird mit dem Wert 5 geladen. Eine Schleife besteht aus dieser Zuweisung, einer Reihe von Befehlen und dem anschliessenden Wiederholen dieser Reihe von der Zeile an, in der der Befehl L für 'loop' steht ( siehe unten in Zeile 06 ). Diesem Zähler darf in einer Sequenz nur einmal ein Wert zugewiesen werden, da jede weitere Zuweisung diesen Wert überschreibt.

03 1 0046 send

Hier wird der Sendepuffer 46 auf Kanal 1 gesendet. 

04 2 0006 send

Hier wird der Sendepuffer 6 auf Kanal 2 gesendet. 

05 d 0010 delay

Die Ausführung der Folge wird für 10 x 100 ms unterbrochen

06 l 0003 loop

Dieser Befehl ähnelt dem goto-Befehl G; die Sendefolge wird in der angegebenen Zeile ( hier Zeile 3 ) fortgesetzt. Im Unterschied zur goto-Anweisung wird der Schleifenzähler C ( siehe oben ) bei jedem Aufruf des Loop-Befehls um eins reduziert, die so entstehende Schleife wird dann sooft durchlaufen, bis C den Wert 0 erreicht hat.

07 1 0047 send

Hier wird der Sendepuffer 47 auf Kanal 1 gesendet. 

08 2 0008 send

Hier wird der Sendepuffer 8 auf Kanal 2 gesendet. 

09 s 0015 subroutine

Dieser Befehl veranlasst das Programm die Sendefolge in der Zeile 15 fortzusetzen. Die dort definierte Sequenz wird bis zum Auftauchen des Befehls R ( return ) abgearbeitet. Anschliessend wird die Sendefolge in der nächsten Zeile nach dem S-Befehl fortgesetzt. Diese sogenannten Subroutinen eigenen sich vor allem dazu, komplexere Sendefolgen übersichtlich zu gestalten.

10 d 0050 delay

Die Ausführung der Folge wird für 50 x 100 ms unterbrochen

11 g 0000 goto

Dieser Befehl führt einen unbedingten Sprung zur angegebenen Zeile ( 0 ) durch. Er eignet sich z.B. dazu, bestimmte Einzelsequenzen der Folge kurzfristig auszuklammern.

12 e 0000 end

Dieser Befehl markiert das Ende der Sendefolge

... ... ... Beginn der SubRoutine
15 2 0005 send

Hier wird der Sendepuffer 5 auf Kanal 2 gesendet. 

16 2 0007 send

Hier wird der Sendepuffer 7 auf Kanal 2 gesendet. 

17 2 0009 send

Hier wird der Sendepuffer 9 auf Kanal 2 gesendet. 

18 r 0000 return

Springt zum aufrufenden S Befehl zurück.

Mit [Esc] verlassen Sie die Eingabemaske wieder. Die Sequenz wird dabei automatisch gespeichert. ( Wenn Sie jetzt das Programm SIMO starten und 'sf' in die Befehlszeile eingeben, wird diese Sequenz gesendet ).

Hinweis

Wenn Sie mehrere Sendefolgen erstellen wollen, gehen Sie zuvor auf den Menüpunkt <File | Sichern | Sequenz> und drücken die Taste [F1]. Sie erhalten dann Hinweise zum Erstellen mehrerer Sequenzpufferdateien.

 

Bei Unklarheiten steht zu jedem Menüpunkt eine Online-Hilfe ( F1-Taste ) zur Verfügung.

Sollten Sie dennoch Fragen haben, rufen Sie uns bitte an. Wir werden uns bemühen, Ihnen immer mit Rat und Tat zu helfen. Auch für Verbesserungsvorschläge haben wir immer offene Ohren !

 


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Handbuch LIAN DOS


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